Organraub an Falun Gong-Prak­ti­zie­ren­­den in China

Organraub an Falun Gong-Praktizierenden in China

Preise für Organtransplantationen 2006[1][2]

Berichte über Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden und anderen politischen Häftlingen in China erregten in den letzten Jahren zunehmend die Aufmerksamkeit und Besorgnis der internationalen Staatengemeinschaft. Die Berichte weisen darauf hin, dass Gewissenshäftlinge, hauptsächlich Falun-Gong-Praktizierende, wegen ihrer Organe „auf Anforderung“ hingerichtet werden, um den Transplantationsmarkt Chinas in kürzester Zeit mit Organen zu versorgen und damit die Nachfrage an Lebendorganen zu befriedigen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Organraub wegen der großangelegten Verfolgung von Falun Gong durch die Kommunistische Partei Chinas stattfindet, wodurch Hunderttausende Falun-Gong-Praktizierende ohne gesetzliche Grundlage gefangengenommen wurden und Institutionen sowie Individuen im Transplantationsbereich finanzielle Anreize gemacht worden sein sollen.

Obwohl Berichte über den systematischen Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden zuerst im Jahre 2006 auftauchten, wird davon ausgegangen, dass dieser bereits im Jahre 2000 begonnen haben soll. In die Untersuchungen involvierte Personen – insbesondere der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas, der ehemalige Staatsanwalt und kanadische Staatssekretär David Kilgour[3] und der Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann[4] – gehen davon aus, dass Zehntausende als Gewissensgefangene inhaftierte Falun-Gong-Praktizierende ermordet wurden, um den lukrativen Organ- und Leichenhandel zu versorgen und dass dieses Verbrechen weiterhin stattfindet.[5] ihre Schlussfolgerungen ergeben sich aus statistischen Analysen; Interviews ehemaliger Gefangener, medizinischer Fachkräfte und Agenten der Staatssicherheit Chinas sowie Indizienbeweisen, wie beispielsweise die große Anzahl der in China außergerichtlich inhaftierten Falun-Gong-Praktizierenden bzw. die Profite, die aus dem Organverkauf erzielt wurden etc.

Die chinesische Regierung bestreitet alle vorgebrachten Anschuldigungen, doch fehlt bis heute eine vernünftige Stellungnahme der Staatsorgane, die die Anschuldigungen entkräften würden. Deshalb zogen die Beschuldigungen die Aufmerksamkeit und die öffentliche Verurteilung durch Regierungen, internationale Organisationen und medizinische Gesellschaften nach sich. Kanada, die Europäische Union und der Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten verabschiedeten Resolutionen, in denen der Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden verurteilt wird. Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen[6] forderten die chinesische Regierung mehrmals vergeblich auf, die Organquellen der in Transplantationen verwendeten Organe nachzuweisen. Der Weltärztebund, die Amerikanische Transplantationsgesellschaft[7] und die Gesellschaft für Organtransplantation riefen zu Sanktionen gegen medizinische Fachkräfte aus China auf. Verschiedene Länder brachten Gesetzesentwürfe ein bzw. verabschiedeten Gesetze, um ihre Bürger davon abzuhalten, wegen Organtransplantationen nach China zu reisen. Human Harvest,[8] ein Dokumentarfilm über den Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden, erhielt 2014 den Peabody Award[9] als Anerkennung für ausgezeichnete Leistung im Bereich Rundfunk- und Fernsehjournalismus.[10]

Erste Vorwürfe

2006 tauchten Vorwürfe auf, dass Falun-Gong-Praktizierende und andere politische Häftlinge in China „auf Anforderung“ getötet werden, um wartende Patienten aus dem In- und Ausland mit Organen zu versorgen. Die Gründe für den Organraub lägen zum einen in der Verfolgung von Falun-Gong durch die Kommunistische Partei Chinas und zum anderen in den finanziellen Interessen der in den Organhandel involvierten Institutionen und Personen. Berichte gaben an, dass dieses Verbrechen schon seit dem Jahre 2000 begonnen haben soll.

Diese Vorwürfe führten zu Untersuchungen, unter anderem durch den ehemaligen Staatsanwalt und kanadischen Staatssekretär für die Asien/Pazifik-Region David Kilgour[3] und den kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas[11] sowie dem Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann. Ihre Untersuchungsergebnisse basieren auf einer Kombination statistischer Analysen; Interviews mit ehemaligen Gefangenen, medizinischen Fachkräften und Staatssicherheitsagenten Chinas; chinesischen Regierungsdokumenten sowie ausführlichen Beweisen, wie die große Anzahl von Falun-Gong-Praktizierenden, die in China ohne gesetzliche Grundlage eingesperrt wurden und die aus dem Organhandel erzielten Profite etc.

Die chinesische Regierung bestreitet die Anschuldigungen bis heute, konnte diese jedoch nicht widerlegen, was die Aufmerksamkeit und öffentliche Verurteilung durch Regierungen, internationale Organisationen und medizinischen Vereinigungen nach sich zog. Das Parlament Kanadas,[12] die Europäische Union[13] und das Unterkomitee für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses[14] verabschiedeten Resolutionen, die den Organraub an Falun-Gong-Gewissenshäftlingen verurteilen. Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen riefen die chinesische Regierung wiederholt vergebens dazu auf, die Organquellen der verwendeten Organe bei Transplantationen preiszugeben,[15][16] und der Weltärztebund[17] sowie medizinische Medien riefen zu Sanktionen gegen chinesische Mediziner, die im Transplantationsbereich tätig sind, auf.[18][19][20] Verschiedene Länder begannen damit, Maßnahmen zu erwägen, ihre Bürger davon abzuhalten, nach China für eine Organtransplantation zu reisen. Einige Gesetze wurden zwischen 2007 und 2015 verabschiedet.[21][22][23][24][25][26][27]

Kilgour/Matas-Untersuchungsbericht

David Matas (links) and David Kilgour, 2007

David Matas (links) and David Kilgour, 2007

Die im Jahre 2006 auftauchenden Vorwürfe des Organraubs an Falun-Gong-Praktizierenden führten zu einer Untersuchung durch den ehemaligen Staatsanwalt und kanadischen Staatssekretär für die Asien-Pazifik-Region David Kilgour[3] und den kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas.[11] Kilgour und Matas, die 2010 für ihre Arbeit zur Untersuchung der illegalen Organentnahmen für den Friedensnobelpreis nominiert wurden,[28] trugen 52 Schlüsselbeweise zusammen, darunter Regierungsdokumente Chinas, und veröffentlichten ihre Untersuchungsergebnisse 2006 in „Blutige Ernte – Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen der Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden in China“ [29][30][31]. Darin schlussfolgerten sie auf Seite 42, „dass die chinesische Regierung und ihre Behörden in zahlreichen Teilen des Landes, insbesondere in den Krankenhäusern, aber auch in Haftanstalten und „Volksgerichtshöfen“, seit dem Jahr 1999 eine große, aber unbekannte Anzahl von Glaubensgefangenen von Falun Gong zu Tode kommen ließen.“ Im November 2007 veröffentlichten sie eine revidierte und erweiterte Fassung ihres Untersuchungsberichtes.[29]

Dieser Untersuchungsbericht, der hauptsächlich auf Indizienbeweisen beruht, richtete die Aufmerksamkeit auf die extrem kurzen Wartezeiten für Organe in China – ein bis zwei Wochen für eine Leber im Vergleich zu 32,5 Monaten in Kanada –, was laut Kilgour/Matas darauf hinweise, dass Organe auf Anforderung beschafft werden. Des Weiteren weist der Bericht auf eine signifikante Zunahme an jährlichen Organtransplantationen in China seit 1999 hin, dem Jahr, in dem die Verfolgung von Falun Gong begann.

Am 3. Dezember 2015 veröffentlichte BioMed Central[32] einen Bericht von Arthur Caplan u. a., der darauf hinweist, dass der Direktor des chinesischen Komitees für Organspende und -Transplantation Huang Jiefu im Januar 2015 bestätigt hatte, dass von 1977 bis Ende 2009 nur 130 Chinesen in Festlandchina eine Organspende nach ihrem Tod verfügt haben.[33] Obwohl Huang bestätigte, dass es in China nur wenige freiwillige Organspenden gibt, hat China dennoch die zweithöchste Transplantationsrate pro Jahr.

Kilgour und Matas wiesen in ihrem Untersuchungsbericht drauf hin, dass für den Zeitraum 2000–2005 die Herkunft von 41.500 Transplantaten ungeklärt blieb und präsentierten archiviertes Webseitenmaterial von chinesischen Transplantationszentren, auf denen die sofortige Verfügbarkeit von Organen lebender Spender beworben wurde, sowie Transkriptionen von Interviews, in denen Krankenhäuser den anfragenden Organempfängern mitteilten, dass diese Falun-Gong-Organe erhalten können.[29]

Die Antworten auf die erste Ausgabe des Untersuchungsberichtes seitens der chinesischen Regierung waren laut Kilgour/Matas nicht überzeugend und „vor allem Angriffe auf Falun Gong“. Die Antworten wiesen auf zwei sachliche Irrtümer hin (falsche Zuweisung zweier chinesischer Städte zu Provinzen), konnten jedoch den Bericht „mit all den ihr [der chinesischen Regierung] zur Verfügung stehenden Quellen und Informationen“ nicht widerlegen.[29]

Ethan-Gutmann-Untersuchungen

Ethan Gutmann (links) mit Edward McMillan-Scott

Ethan Gutmann (links) mit Edward McMillan-Scott bei einer
Pressekonferenz des Auslandspresseverbandes, 2009

2014 veröffentlichte der Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann das Ergebnis seiner eigenen Untersuchungen in seinem Buch „The Slaughter“.[34] Gutmann führte mehr als 100 Interviews mit ehemaligen Häftlingen in chinesischen Arbeitslagern und Gefängnissen und auch mit ehemaligen Sicherheitsagenten und medizinischen Fachkräften, die Erfahrungen mit Chinas Transplantationspraktiken hatten.[35][36] Er berichtete, dass die Organbeschaffung von politischen Häftlingen höchstwahrscheinlich 1990 in der Provinz Xinjiang begonnen hat und sich dann über das ganze Land ausweitete. Gutmann schätzt, dass ca. 64.000 Falun-Gong-Praktizierende zwischen 2002 und 2008 wegen ihrer Organe getötet wurden.[34][37]

Reaktionen verschiedener Länder auf Kilgour/Matas-Untersuchungsbericht

Kilgour/Matas legten ihren Untersuchungsbericht den Vereinten Nationen und 50 westlichen und östlichen Regierungen vor. Aufgrund dessen begannen diese mit eigenen Untersuchungen und verabschiedeten Resolutionen sowie Gesetzesänderungen, um den Handel mit Organen und den Transplantationstourismus zu verbieten.

Vereinte Nationen

Zwischen 2006 und 2007 forderten zwei Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen die chinesische Regierung wiederholt auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und zu erklären, woher die Organe kommen, die für den plötzlichen Anstieg der Organtransplantationen in China seit 2000 notwendig sind.[15][16] Chinesische Amtsträger wiesen die Beschuldigungen zurück und behaupteten, dass China an den Prinzipien der WHO festhalte, die den Verkauf menschlicher Organe ohne schriftliches Einverständnis des Spenders verbiete.

Am 20. März 2007 legte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter Manfred Nowak auf dem 4. Treffen des Menschenrechtsrates in Genf seinen Jahresbericht vor, in dem er direkt auf den Organraub an Falun Gong-Praktizierenden hinwies. Zusätzlich erklärte Novak, dass die chinesische Regierung im März 2006, also kurz nach der Veröffentlichung des Kilgour-Matas-Untersuchungsberichtes, einen Gesetzentwurf vorstellte, der den Verkauf von menschlichen Organen verbietet, eine schriftliche Einwilligung der Organspender verlangt und Transplantationen auf Institutionen begrenzt, die die Organquelle nachweisen können. Dieses Gesetz soll am 1. Juli 2006 in Kraft getreten sein. Doch wies Manfred Novak darauf hin, dass im Gegensatz zur Behauptung der chinesischen Regierung „bis zu dem heutigen Tag (März 2007) das chinesische Gesetz den Kauf und Verkauf von Organen erlaubt; keine schriftliche Erlaubnis des Organspenders fordert; es keine Einschränkung für Institutionen gibt, sich an der Organbeschaffung bzw. Transplantation zu beteiligen; es keine Auflagen gibt, dass die an Organtransplantationen beteiligten Institute die legalen Quellen der transplantierten Organe nachweisen müssen; und es hat keine Verpflichtung gibt, dass Ethikkomitees für Transplantationen alle Transplantationen im Vorfeld genehmigen müssen.“[38]

Da die chinesische Regierung weder 2006 noch 2007 auf die Anschuldigungen einging und diese widerlegten, forderten im Mai 2008 die beiden Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen Frau Asma Jahangir (Religion- und Glaubensfreiheit) und Herr Manfred Nowak (Folter) die chinesischen Behörden erneut auf, eine angemessene Stellungnahme bezüglich der Anschuldigungen zu geben und die Organspender für den seit dem Jahre 2000 stattfindenden plötzlichen Anstieg der Organtransplantationen in China zu nennen. Auch hier blieb die chinesische Regierung eine eindeutige Erklärung schuldig.[39][40]

Nowak sagte später, im August 2009: „Die chinesische Regierung muss immer noch sauber und transparent werden … Es ist immer noch nicht geklärt, wie der massive Anstieg an Organtransplantationen in chinesischen Krankenhäuser seit 1999 möglich sein kann, obwohl es niemals so viele freiwillige Spender gegeben hat.[41] … Die chinesische Regierung hat nichts entkräftet [bez. den Anschuldigungen], doch wurden sie andererseits auch noch nicht bewiesen. Dies führt zu einem schwierigen Dilemma – das nur dadurch gelöst werden kann, dass China willens ist zu kooperieren. Und daran mangelt es.“[41] Im Jahre 2013 äußerte sich Novak in einem Interview mit Die Zeit, dass die Vorwürfe von Kilgour/Matas „gut recherchiert und sehr schwerwiegend“ seien.[42]

Die Europäische Union

Im Mai 2006 reiste Edward McMillan-Scott, zu der Zeit einer der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, nach China, um Untersuchungen über Menschenrechtsverletzungen durchzuführen und erfuhr dort von einem Augenzeugen, dass einem Falun-Gong-Praktizierenden Organe entfernt worden waren.[43]

Das Europäische Parlament verabschiedete am 12. Dezember 2013, eine Resolution, die den Organraub an Falun-Gong-Gewissenshäftlingen verurteilt. In der Resolution bekundete es u. a. „seine tiefe Besorgnis angesichts der anhaltenden und glaubwürdigen Berichte über systematische, vom Staat gebilligte Organentnahmen an Gefangenen aus Gewissengründen in der Volksrepublik China, die ohne Einwilligung der Betroffenen erfolgen, unter anderem in großem Umfang an Falun-Gong-Anhängern, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung inhaftiert sind, sowie an Angehörigen anderer religiöser und ethnischer Minderheiten.“[13] Die Resolution forderte die unverzügliche Freilassung aller Gewissensgefangenen und drängte China, die Anfragen der Vereinten Nationen über die bei Transplantationen verwendeten Organquellen zu beantworten. Diese Resolution wurde u. a. dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, der Regierung der Volksrepublik China sowie dem chinesischen Nationalen Volkskongress übermittelt.[13]

Im März 2014 versammelte sich der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss in Brüssel zu einer Nachfolgeveranstaltung über den Organtransplantationsmissbrauch in China. Darin bestätigten die Teilnehmer und Redner die Inhalte und Empfehlungen der Resolution des Europäischen Parlamentes.[44]

Frankreich

Im September 2010 wurde in der französischen Nationalversammlung ein Gesetzentwurf gegen Organtransplantationstourismus eingebracht. In der Begründung dieses Entwurfes wird unter anderem darauf hingewiesen, dass oft Organe von lebenden Spendern gegen ihren Willen verwendet werden und sich dies besonders auf die Situation der Falun-Gong-Praktizierenden in China beziehe. Mehrere Studien habe das Vorhandensein einer Organverwendung von Mitgliedern dieser Gemeinschaft enthüllt. Der Gesetzentwurf verlangt, dass Patienten die Quelle der erhaltenen Organe vor der Transplantation oder spätestens 30 Tage nach Rückkehr nachweisen müssen, und Ärzte eine Anzeigepflicht haben, Patienten, die sich im Ausland einer Transplantation unterzogen haben, der biomedizinischen Behörde zu melden.[21]

Spanien

2010 verabschiedete Spanien ein Gesetz, das seinen Bürgern verbietet, ins Ausland zu reisen, um dort illegale Organtransplantationen zu erhalten. Das Gesetz wurde nach dem Erscheinen eines Berichtes vorgeschlagen, nach dem ein spanischer Bürger nach Tianjin (China) gereist war, um dort für 130.000 $ innerhalb von 20 Tagen eine Lebertransplantation zu erhalten. Das Gesetz verbietet den Handel mit menschlichen Organen mit Gefängnisstrafen bis zu zwölf Jahren.[22]

Italien

Im März 2014 verabschiedeten die Mitglieder der italienischen Kommission für Menschenrechte einstimmig eine Resolution, die die sofortige Freilassung von Falun-Gong-Praktizierenden und anderen Gewissenshäftlingen in China fordert.[45]

2015 verabschiedete der italienische Senat ein Gesetz, das den Handel von Organen von lebenden Spendern verbietet und mit Strafen von 3 bis 12 Jahren Gefängnis und Bußgeldern bis zu 300.000 € versieht.[46] Senator Maurizio Romani äußerte, dass Organe von Falun-Gong-Praktizierenden die überwiegende Quelle von transplantierten Organen seien.[23]

Australien

Im Dezember 2006 gab das australische Gesundheitsministerium bekannt, dass zwei der größten Transplantationskrankenhäuser des Landes die Ausbildung von chinesischen Chirurgen untersagt haben, als Erwiderung auf die Befürchtungen über den Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden und anderen Häftlingen.[47]

Am 21. März 2013 verabschiedete der australische Senat einstimmig einen Antrag bezüglich der Berichte über Organraub in China.[48][49] Der Antrag wurde dem Senat einen Tag nach einer Parlamentsanhörung vorgelegt, bei der es um den Organraub an Falun-Gong-Häftlingen ging, und die australische Regierung dazu aufforderte, strenge Gesetze gegen den internationalen Organhandel einzuführen.[50]

Israel

2007 versuchte die chinesische Botschaft in Israel ein Gespräch mit David Matas über den Organraub zu verhindern. Dieser Versuch blieb erfolglos, trotz Chinas Androhung, dass sich diese Zeugenaussage nachteilig auf die Beziehungen Chinas mit Israel auswirken würde.[51]

Ein Jahr später verabschiedete Israels gesetzgebender Körper, die Knesset, das neue Transplantationsgesetz, das die Kostenerstattung für Auslandstransplantationen verbietet und die Versicherungen davon befreit, die anfallenden Kosten der Nachversorgung in Israel zu tragen, wenn eine Organtransplantation in einem Land vorgenommen wurde, das für illegalen Organhandel bekannt ist. Das Gesetz war u. a. ein Ergebnis der Geschichte eines Patienten, der im Jahr 2005 nach China gegangen war, um dort ein Herz zu bekommen. Seinem israelischen Arzt Dr. Lavee fiel nach dessen Rückkehr auf, dass die Transplantationsoperation bereits zwei Wochen vorher festgelegt worden war, was zu der Frage führte, wie eine Herztransplantation auf Bestellung durchgeführt werden kann.[42] Dazu kam die Untersuchung israelischer Behörden, bei der ein im Organhandel verstrickter Mann in einem geheimen Interview zugab, dass die Organe von „Menschen kommen, die im Gegensatz zum Regime stehen, zum Tode verurteilt worden sind und von Häftlingen von Falun Gong“.[24]

Kanada

2007 versuchte die chinesische Botschaft in Kanada die Ausstrahlung eines Dokumentarfilms über Falun Gong und den Organraub zu verhindern, der von der nationalen Fernsehgesellschaft CBC Television angesetzt worden war.[52][53]

Im gleichen Jahr und 2013 wurden im kanadischen Parlament Gesetze gegen den Organtourismus eingebracht.[25][26] Die kanadische Regierung brachte auch während des Prozesses der Universellen Periodischen Überprüfung bei den Vereinten Nationen in Genf im Jahre 2014 das Thema auf den Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden.[54] Im gleichen Jahr wurde vom kanadischen Parlament eine Resolution verabschiedet, die ein Ende des Missbrauchs von Transplantationsmethoden gegen religiöse und ethnische Minderheiten fordert.[12]

Vereinigte Staaten von Amerika

Anschuldigungen seitens der USA tauchten erstmals im Jahre 2009 im Bericht der Leitenden Kommission des Kongresses über China auf[55], später auch im Länderreport des US-Außenministeriums über Menschenrechte in China 2011.[56]

Am 12. September 2012 sagte Dana Rohrabacher[57], Mitglied des US-Repräsentantenhauses, während einer gemeinsamen Anhörung vor dem Komitee für auswärtige Angelegenheiten: „Die KPCh und ihre Staatssicherheitsmaschine verwendet eine breite Palette von Repressionstechniken, wie beispielsweise Zensur, Schläge, Hausarrest, Zwangsarbeitslager etc. Die schauderhafteste Manifestation dieses Gangstertums ist jedoch der Organraub an politischen Häftlingen und inhaftierten religiösen Anhängern, besonders die chinesische religiöse Bewegung Falun Gong.[58] … den Körper einer Person, die sich an religiösen, persönlichen oder politischen Ideen beteiligt, aufzuschneiden, steht im Gegensatz zu den Wünschen der herrschenden Elite. Den Körper solch einer Person aufzuschneiden, besonders wenn der religiöse oder politische Glaube pazifistisch ist und keine Bedrohung des Regimes darstellt, ist das ungeheuerlichste Verbrechen, das ich mir vorstellen kann.“[58]

Im Juli 2014 verabschiedete das Unterkomitee für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses einstimmig eine Resolution, die den staatlich sanktionierten Organraub an Falun-Gong-Häftlingen und Mitgliedern von Minderheiten verurteilt und ein Ende des Missbrauchs von Transplantationsmethoden gegen religiöse und ethnische Minderheiten fordert.[59][14]

In Erwiderung auf die Resolution des Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in den USA, dass „die sogenannte Organbeschaffung von zum Tode verurteilten Häftlingen eine fabrizierte Lüge von Falun Gong sei“.[60] Darüber hinaus drängten Repräsentanten der chinesischen Botschaft amerikanische Gesetzgeber, Falun Gong nicht mehr zu unterstützen, noch mit ihnen „gemeinsame Sache“ zu machen.[59]

Nach einer Anhörung im Unterkomitee für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses zum Menschenrechtsbericht 2015 und der Menschenrechtssituation in China,[61]verabschiedete das Unterhaus im März 2016 eine Überarbeitung der Resolution 343 vom Juni 2015[62], die den staatlich sanktionierten Organraub an Falun-Gong-Häftlingen und anderen Minderheiten von 2014 erneut verurteilte, und das amerikanische Außenministerium aufforderte, eine detaillierte Analyse dieses Verbrechens vorzunehmen und im jährlichen Menschenrechtsbericht zu veröffentlichen. Des Weiteren soll die Einreise in die USA für Chinesen, die am Organraub beteiligt sind, verboten werden.[63]

Taiwan

Im Juni 2015 verabschiedete Taiwan eine Änderung seines Transplantationsgesetzes, indem der Verkauf oder der Erwerb von Organen, auch aus dem Ausland, verboten ist. Das Gesetz verbietet ebenso die Verwendung von Organen hingerichteter Häftlinge.[27]

Reaktionen medizinischer Publikationen

Die Untersuchungen durch Kilgour/Matas sowie Länder und Regierungen führten dazu, dass anerkannte medizinische Journale aufgrund der Verletzung medizinischer Ethik keine Artikel über Organtransplantationen in China mehr veröffentlichen.

Das Journal of Clinical Investigation, eine renommiertes Publikationsorgan über biomedizinische Forschung, erklärte 2011, dass Chinas Organverwendung von hingerichteten Häftlingen „grundlegende Menschenrechte verletze. Dies verletze grundlegende ethische Regeln der Transplantationsmedizin und der medizinischen Ethik. Schlimmer ist noch, dass einige der Getöteten Gefangene sind, deren ‚Verbrechen‘ darin bestehen, einen bestimmten politischen bzw. spirituellen Glauben zu haben.“[18] Im gleichen Jahr traf das American Journal of Transplantation eine ähnliche Entscheidung.[19] Im medizinischen Journal The Lancet rief im Oktober 2011 eine Gruppe prominenter amerikanischer Chirurgen und Bioethiker zu einem Boykott der chinesischen Wissenschaft und Medizin, den Organtransplantationsbereich betreffend, auf: „Aufgrund der von China zur Verfügung gestellten Informationen ist es klar, dass nicht alle Organe für chinesische Bürger und Transplantationstouristen von freiwilligen Organspender stammen. Die Quellen vieler dieser Organe stammen von hingerichteten Häftlingen, deren Einwilligung entweder nicht vorhanden ist oder ethisch ungültig und deren Tod möglicherweise mit der Zweckdienlichkeit eines wartenden Organempfängers abgestimmt wird.“[20] Der Leitautor des Artikels Dr. Arthur Caplan fügte später hinzu: „Das Töten von Häftlingen für ihre Organe ist für sich selbst unethisch, doch ist diese Praktik noch abscheulicher zu bewerten, da einige der hingerichteten Häftlingen wegen ihres religiösen oder politischen Glaubens eingesperrt wurden.“[64][65]

Am 9. Februar 2015 veröffentlichte die ÄrzteZeitung einen Artikel von Huige Li, Professor für Vaskuläre Pharmakologie an der Universität Mainz, in dem Professor Li zum gegenwärtigen Transplantationssystem Chinas Stellung nimmt und bestätigt, dass in China bis heute noch keine wirkliche Verhaltensänderung stattgefunden habe.[66]

Gegenwart

In der Ausgabe 3/16 berichtete TV-Wissen im Report „Mörderischer Organhandel“ über den Organraub an politischen Häftlingen und dass bevorzugte Opfer dieses „perversen On-Demand-Systems“ Anhänger der religiösen Bewegung Falun Gong seien. Nach offiziellen Angaben wurden 2014 in China 8600 Organtransplantationen durchgeführt, wobei 80 % der benötigten Organe von Häftlingen stammen sollen.[67] Ähnlich berichtet HÖRZU in der Ausgabe 6/16 im Report „Das Geschäft mit dem Tod“.[68][69]

Beide Artikel stellten eine Vorankündigung des Dokumentarfilms „Ausgeschlachtet – Organe auf Bestellung“ dar, der am 18. Februar auf 3Sat ausgestrahlt wurde.[70][71]„Ausgeschlachtet - Organe auf Bestellung“ ist die deutsche Version der mehrfach preisgekrönten Dokumentation „Human Harvest“.[8] Anschließend folgte die 3sat-Gesprächssendung „scobel: Organhandel - Der Wert des Menschen“, in der der Handel mit menschlichen Organen als moderne Variante der Sklaverei beleuchtet wurde, und welche Gründe dafür verantwortlich sein könnten, dass diese „besonders brutale Form von Sozialdarwinismus“ überhaupt entstehen konnte.[72]

Ein 3Sat-Interview mit Professor Huige Li von der Gutenberg Universität Mainz deckte die Verwicklungen deutscher Transplantationszentren mit China auf.[73]

Referenzen

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  2. Garantie bei Organtransplantationen des China International Transplantation Network Assistance Centers, 15. Januar 2006, Shenyang
  3. David Kilgour
  4. Ethan Gutmann
  5. Ethan Gutmann, The Slaughter: Massenmorde, Organraub und Chinas geheime Lösung für sein Dissidentenproblem, (GoodSpirit Verlag, 2015)
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  7. American Society of Transplantation
  8. Human Harvest (2014 film)
  9. Peabody Award
  10. The Peabody Awards, Human Harvest: China’s Illegal Organ Trade (International Syndication)
  11. David Matas
  12. Kanadisches Parlament, „ Unterkomitee für Internationale Menschenrechte des Ständigen Komitees für Ausländische Angelegenheiten“, 6. November 2014
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  16. Report of the Special Rapporteur on freedom of religion or belief Asma Jahangi, Addendum 28. Februar 2008
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  56. US-Außenministerium, „U.S. Department of State“, 24. Mai 2012
  57. Dana Rohrabacher
  58. Joint Hearing Before the Subcommittee on Oversight and Investigations and the Subcommittee on Africa, Global Health, and Human Rights of the Committee on Foreign Affairs, United States House of Representatives, “Organ Harvesting of Religious and Political Dissidents by the Chinese Communist Party”, 12. September 2012
  59. Matthew Pennington, „House panel calls on China to end organ harvesting“, Associated Press, 30. Juli 2014
  60. Lydia Smith, „US Calls for China to End ‚State-Sanctioned Harvesting of Human Organs‘ From Prisoners“,International Business Times, 31. Juli 2014
  61. Subcommittee Hearing: Human Rights in China: The 2015 Annual Report of the Congressional-Executive Commission on China, 12. Januar 2016
  62. 114th Congress, 1st Session, H. RES. 343, House of Representatives, 25. Juni 2015
  63. Markup: H. Res. 343, House Committee of Foreign Affairs, 16. März 2016
  64. Arthur Caplan, „Stop killing for parts: Why we must boycott China’s organ trade“, NBCNEWS.com, 30. September 2011
  65. Arthur Caplan, „The Use of Prisoners as Sources of Organs–An Ethically Dubious Practice“,The American Journal of Bioethics, 11(10): 1–5, 2011
  66. Huige Li, „Was hinter Chinas neuer Ankündigung steckt“, Ärzte Zeitung online, 9. Februar 2015
  67. Michael Tokarski, „Mörderischer Organhandel“, TV-Wissen, Ausgabe 3/16, Seiten 10/11
  68. „Das Geschäft mit dem Tod“, HÖRZU, Ausgabe 6/16, 5. Februar 2016
  69. „Ausgeschlachtet“ - Das Geschäft mit dem Tod, HÖRZU-Online, 17. Februar 2016
  70. Ausgeschlachtet Organe auf Bestellung, 3sat, 18. Februar 2016
  71. Einführung zur Dokumentation, Magazin Nano auf 3SAT, 18. Februar 2016
  72. „Scobel - Organhandel - Der Wert des Menschen“ - Gesprächsrunde, 3sat, 18. Februar 2016
  73. 3sat-Interview mit Professor Huige Li von der Gutenberg Universität Mainz

Copyright

Dies ist eine redaktionell bearbeitete Version des Artikels Organraub an Falun Gong-Praktizierenden in China aus der freien Enzyklopädie Wikipedia, und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Foto 1: Peter Dexheimer, Wikimedia Commons, unter Creative Commmons Lizenz
Foto 2: Minghui, mit freundlicher Genehmigung
Foto 3: Jaya gibson, Wikimedia Commons, unter Creative Commmons Lizenz

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